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Haiti

Umgeben vom Karibischen Meer und dem Golf von Mexiko liegt Haiti im westlichen Teil der Insel Hispaniola und teilt sich das Land mit der Dominikanischen Republik. Der Flug von Miami in die haitianische Hauptstadt Port-au-Prince dauert lediglich eineinhalb Stunden. Haiti ist neben Martinique und Guadeloupe das einzige französischsprachige Land in der sonst spanisch- oder englischsprachigen Karibik. Indem man das Land französischsprachig nennt begeht man bereits ein Fehler, Haiti in gängige Schemata einzuordnen: die offizielle Landessprache ist Créole, eine sich über 200 Jahre entwickelnde Sprachmischung aus afrikanischen Sprachen und französischen Wurzeln aufgepeppt durch einige amerikanische Wörter, Ausdruck der Sehnsucht nach dem amerikanischen Traum direkt vor der Haustür. Auch sonst fällt es schwer, Haiti im lateinamerikanischen oder karibischen Kontext einen Platz zuzuweisen. Seine Geschichte ist einzigartig, seine heutige wirtschaftliche und politische Situation leider ebenso.

Einst war Haiti Frankreichs reichste Kolonie; es wurde die „Perle der Antillen“ genannt. Im Jahre 1804 konnten sich die Sklaven, Nachkommen der seit Ende des 15. Jahrhunderts verschleppten und versklavten Afrikaner, ihre Freiheit gegen die Kolonialherren sowie die Unabhängigkeit des Landes erkämpfen – eine Ausnahmeerscheinung in der Geschichte des Kolonialismus; keine andere französische Kolonie konnte vor Mitte des 20. Jahrhunderts unabhängig werden. Zieht man jedoch nach mehr als 200 Jahren Unabhängigkeit Bilanz, muss man feststellen, dass das epochale Ereignis von 1804 der Anfang von zwei Jahrhunderten Einflussnahme durch die jeweiligen Weltmächte, politischer Instabilität, von wirtschaftlichem Ruin und humanitären Krisen war.



Haiti ist in den letzten Jahrzehnten aus der Presse bekannt als Land bitterer Armut, der Boat People, des Voodoo, der Diktatoren Papa und Baby Doc mit ihren finsteren und grausamen Gefolgschaft, den Tonton Macoutes, der Naturkatastrophen und Kriminalität, als Drogenumschlagplatz sowie als Land , das von einem Putsch zum nächsten Coup d’Etat stolpert.

Tatsächlich ist Haiti das ärmste Land in der westlichen Hemisphäre, geprägt durch extreme Armut, niedrige Wirtschaftskraft, verzerrte und verfallende Gesellschaftsstrukturen, schwindende Sozialsysteme, vollständige Abwesenheit von Institutionen jeglicher Art, hohe Abhängigkeit von externer Hilfe und die Nichtexistenz von Infrastruktur im weitesten Sinn.

Nach dem verheerendem Erdbeben des 12. Januar 2010 ist es in Haiti leider immer noch nicht zum Wiederaufbau gekommen. Hilfe sieht man punktuell dank privater, haitianischer oder ausländischer, Initiative. Die Haitianer beklagen die fortschreitende Verschlechterung der Lage auf politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene. Die weiter bestehenden Zeltstädte lassen viel Raum für die Cholera, die nur sehr schwer einzudämmen ist, und erhöhen die Kriminalität. In diesem Kontext hat sich auch die Lage der Kinder des Landes nicht verbessert.

 

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